Die Suche nach einer einheitlichen Definition von Parkour erweist sich mitunter als schwieriger als gedacht. Das hat unter anderem mit der geschichtlichen Entwicklung zu tun und der Zähheit mit der sich qualitativ hochwertige Information zu Beginn von Parkour innerhalb der Szene verbreitete.

In gut recherchierter Form hat Julie Angel´s Doktorarbeit deshalb einen entscheidenden aufklärenden Beitrag in diese Richtung geleistet, den ich hier kurz wiedergeben möchte.

cineparkourParcours: l´art du deplacement: parkour and freerunning, an art, a discipline, a sport, a culture of movement? There are numerous definitions of what parkour maybe, as presented by different individuals depending on their experience, motivations and knowledge of the origins of the activity. L´art du deplacement-parkour-freerunning is aphysical training methodology and a particular apporach and a way of thinking about movement and creative spatial mapping. It is a physical and emotional activity that involves using only the body to overcome obstacles (physical and emotional) within a route. This may involve running; climbing; vaulting; jumping; traversing; balancing; or any other physical means to get from one point to another. Some simplify this stating as finding a way of getting from `point A´ to `point B´. It is a method that involves overcoming one´s fears and limitations by mastering the body-mind nexus and co-ordination of one´s own movement in any terrain.”

(Angel 2011, S.9f – Julie Angel(2011): Cine Parkour, A cinematic and theoretical contribution to the understanding of the practice of parkour.)

Der Begriff Parkour wird deshalb auf dieser Website stellvertretend für Parkour, Freerunning, L´art du deplacement, Art of Movement, oder sonstigen sich im Umlauf befindlichen Begriffen verwendet.

 

 

Ein kurzer geschichtlicher Aufriss

Parkour hat seine Wurzeln in drei kleinen pariser Vororten (Evry, Sarcelles und Lisses), wo eine Gruppe junger Menschen durch den Kerngedanken sich ständig neuen Herausforderungen zu stellen zusammengeschweißt wurde. Es ist weitestgehend anerkannt, dass 9 Mitglieder dieser Gruppe eine Disziplin gegründet haben, die in dieser Form immernoch praktiziert wird – l’art du déplacement oder auch „Die Kunst der Fortbewegung„.

Diese Gruppe nannte sich Yamakasi, ein Wort das aus dem ursprünglichen Lingala (kongolesischer Dialekt) übersetzt „Starker Körper, starker Geist“ bedeutet.

Der Begriff „Parkour“ (der sich von Parcours, ableitet) ist durch den Einfluss von Raymond Belle, dem Vater einer der Yamakasi (David Belle) geprägt. Raymond hatte David in die Trainingsmethodik von Georges Hébert eingeführt, ein Pionier auf dem Gebiet der militärischen Trainingsmethodik, der u.a. einen großen Einfluss auf die Entwicklung des klassischen Turn- und Sportunterrichtes in Frankreich hatte. „Parkour“ als Begriff wurde von David’s Freund, Hubert Kounde vorgeschlagen.

Die Yamakasi wurden als Wilde betrachtet, ihr Training jedoch war alles andere als wild, denn es fokussierte neben Kraft und Ausdauer auch ein hohes Maß an Präzision und Kontrolle. Als nach und nach physische Grenzen ausgetestet und erweitert wurden, wurden die Medien auf die Yamakasi aufmerksam.

2003 wurde die Doku „Jump London“ ausgestrahlt, die u.a. Sébastien Foucan, Mitglied der Yamakasi (und späterer Bond Bösewicht) sowie die Brüder Vigroux beinhaltete. In der Doku zeigten diese jungen Männer Parkour an manchen der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Londons. Um dem englischsprachigen Publikum verständlich zu machen was Parkour genau ist wurde als direkte Übersetzung das Wort „Freerunning“ eingeführt.

Seitdem ist Parkour explodiert. Man denke nur an all die Kinofilme, Videospiele oder Musikvideos. Mit dieser Explosion der Popularität veschwommen gewissermaßen auch die Trennlinien was Parkour denn genau ist und so kam die Befürchtung auf, dass die ursprünglichen Werte von Parkour verloren gehen könnten.