Ab Mai 2019 findet in Österreich bereits zum ~4 Mal in Kooperation mit der BSPA Bundessportakademie (Linz) die staatlich anerkannte Instruktorenausbildung zu Parkour und Freeruning statt.

Fabian und Fitsch aus der Wiener Parkourszene nehmen an diesem Lehrgang Teil und haben sich dankenswerterweise bereit erklärt über ihre Erfahrungen im Zuge der Instruktorausbildung zu berichten. Der Kurs findet in mehreren geblockten Teilen über mehrere Wochen verteilt statt.

Danke an Fabian und Fitsch an dieser Stelle für die Zeit und Mühe die in diesen Bericht geflossen ist!!

@fabian_janicek

@sprungeheuer

Intro

Liebe Leserinnen und Leser,

ich (Fabian, 25, Single 😉 ) habe in der Woche vom 13.05.2019 bis 17.05.2019 (16.05.2019 in meinem Fall, da ich einen Tag früher abreisen musste) am ersten Teil der Parkour und Freerunning Instruktor Ausbildung der BSPA Linz (Bundessportakademie Linz) teilgenommen. Hier schildere ich meine Eindrücke.

Vorweg möchte ich noch sagen, dass ich kein Schreiber bin und diesen Artikel auf die Bitte, vom lieben Alex hin, schreibe. Also jeder der sich jetzt ein literarisches Meisterwerk erwartet, sollte diesen Text weglegen und lieber einen anderen Text lesen (meine Empfehlung wäre “Faust” von Göthe).

Allgemeine Informationen zum Kurs

Bevor ich näher auf die Inhalte des Kurses eingehe, werde ich noch allgemeine Informationen zur Ausbildung geben. Die Ausbildung besteht aus vier Kursteilen die jeweils vier oder fünf Tage lang dauern. Wie oben schon erwähnt, wird die Ausbildung von der BSPA Linz im Olympiazentrum veranstaltet. Am Ende der staatlichen Ausbildung wird das Wissen in Theorie und Praxis geprüft. Also ist es voraussichtlich eine halbwegs ernst zu nehmende Prüfung und keine Freunderlwirtschaft. Die Ausbildung selber ist auch staatlich gefördert und kostet daher nur 95€ für alle vier Kursteile inklusive Skripten. Die Grundvoraussetzungen um an der PK & FR Instruktor Ausbildung teilzunehmen sind eine abgeschlossene Übungsleiterausbildung (vorzugsweise ÜL für PK & FR, aber ÜL für Trendsportarten geht auch), ein ärztliches Attest (das bestätigt, dass man gesund und fit ist) und zu guter Letzt das Bestehen der Aufnahmeprüfung.

Zudem muss ich hier noch anmerken, dass die Parkour Praxiseinheiten alle indoor unterrichtet werden und der methodische Übungsaufbau auf ein Hallentraining ausgelegt ist. Was man davon dann in den Trainings- bzw. Unterrichtsalltag mitnehmen kann, wenn man vorrangig outdoor unterrichtet, bleibt dahingestellt.

Erster Kursteil

Der erste Kursteil hat mit einer kleinen praktischen Aufnahmeprüfung begonnen, die für jede halbwegs fitte Person, die sich mit dem Sport Parkour & Freerunning ein bisschen beschäftigt hat, kein Problem darstellen sollte. Zuerst muss ein Hindernislauf auf Zeit bewältigt werden. Danach muss jeder Teilnehmer zeigen, dass er/sie die Basic-Vaults beherrscht (Speed-Step/Safety Vault, Kong, Dash, Lazy, Reverse und Speed Vault). Nach den Vaults werden noch Präzisionssprünge auf eine Linie demonstriert und Parkour-Rollen abgeprüft. Bei den Parkour Bewegungen geht es im allgemeinen darum zu zeigen, dass man diese Bewegungen kontrolliert und fehlerfrei ausführen kann. Diese sollte aber nach einem erfolgreich abgeschlossenen Übungsleiter für PK & FR (Grundvoraussetzung für den Instruktor) wohl jeder Teilnehmer können. Zum Abschluss müssen alle Anwärter noch ein Seil hochklettern (Männer ohne Beine, Frauen mit Beinen). Die Aufnahmeprüfung haben alle ohne Probleme gemeistert.

Wie schon erwähnt lässt sich die Ausbildung einerseits in Theorie und Praxis gliedern und andererseits in “allgemein” und “speziell” (Parkour spezifisch) unterteilen. Die speziellen Teile wurden über die ganze Woche von Martin Friedrich (Team Obsession, im Artikel kurz Martin) geleitet.

Aufnahmeprüfung und Tag 1

Nach der Aufnahmeprüfung haben wir gleich mit einer speziellen/parkourspezifischen Praxiseinheit begonnen, bei der es um die Vermittlung fortgeschrittener Techniken der Hindernisüberwindung (Dive Kong und Double Kong) gegangen ist. Dabei haben wir zu den beiden Übungen jeweils einen methodischen Übungsaufbau von Martin gelernt. Er selber hat dazu gemeint, dass dieser Aufbau nur ein Vorschlag ist und wir es auch gerne anders machen können. Meiner Meinung nach war der Aufbau bei beiden Übungen sehr gut, aber zu detailliert und langatmig. Also sehr gut sofern man Bewegungslegastheniker unterrichtet. Nachdem es bei diesen Techniken um fortgeschrittene Hindernisüberwindungen geht, mache ich das natürlich nur mit einer Gruppe von Schülern die schon genügend sportspezifische Bewegungserfahrung hat um die beiden Übungen schneller zu erlernen. Falls ich dann doch einmal einen Schüler habe der nur Tourist in seinem Körper ist (also unterdurchschnittlich wenig Kontrolle über seinen Körper besitzt) bin ich Martin sehr dankbar für diesen Aufbau (Martin, falls du das liest: du bist ein leiwander Kerl und ich hoffe, dass du dich damit nicht persönlich angegriffen fühlst. Das ist nur meine Meinung und die ist nicht immer die kompetenteste Meinung, kennst mich ja eh; Bussi ;-*). Die Stunde haben wir dann noch mit einem Spiel zum Thema Flow beendet. Wie oben schon erwähnt ist es fraglich wieviel man von diesen methodischen Übungsaufbauten outdoor auch umsetzen kann, wenn man nicht dasselbe Equipment hat wie in einer Turnhalle.

Damit war der Montagvormittag einmal abgeschlossen. Über die Theorie und Praxiseinheiten der folgenden Tage (Montag bis Donnerstag, wie oben erwähnt musste ich Freitag leider schon fahren und konnte nicht mehr am Kurs teilnehmen) werde ich nicht ganz so detailliert berichten. Die theoretischen Einheiten in diesen Tagen waren: Sportgeschichte, allgemeine Trainingslehre, allgemeine Bewegungslehre, Betriebskunde, Seminar für Fachfragen (Sicherheit), Sportpädagogik/Sportmethodik, Sportbiologie, Dopingprävention und Deutsch (Kommunikation) für Nicht-Maturanten.

Atmosphäre

Bevor ich einen kurzen Einblick in die einzelnen Theorieeinheiten gebe, will ich allgemein sagen, dass es die Vortragenden geschafft haben ihre jeweiligen Inhalte sehr gut zu präsentieren. Damit meine ich einerseits die Art und Weise wie es erklärt wurde und andererseits die Atmosphäre, also gelegentliche Witze der Vortragenden und Teilnehmer, die die Stimmung eher locker gehalten haben. So locker wie es sein kann wenn Wissensvermittlung an erster Stelle steht (es ist ja immerhin ein staatlich geprüfter Kurs). Die Teilnehmer hatten jederzeit die Möglichkeit Zwischenfragen zu stellen. Sowohl bei Unklarheiten zum Thema, als auch wenn das Interesse bzw. die Frage eines Teilnehmers über den Kursstoff hinausgegangen ist. Kurz gesagt: Gute Atmosphäre und kompetente Vortragende. Ein Lob an die Organisation des Instruktor-Kurses und die Vortragenden der BSPA Linz.

Location

Das Olympiazentrum ist eine gut gewählte Location und solange man nicht auf ihr Dach klettert auch sehr umgänglich und freundlich. Ich möchte an dieser Stelle noch anmerken, dass ich bereits ein Jahr Sport studiert habe und auch andere Ausbildungen im Bereich Sport und Fitness absolviert habe. Also habe ich einen Großteil vom Stoff davor schon einmal gehört, was es mir natürlich leichter macht Inhalte zu verstehen. Trotzdem glaube ich, dass andere Teilnehmer, die sich mit diesen Themen noch nie beschäftigt haben, es auch sehr gut verstanden haben. Außerdem habe ich mich mit meinen Kommentaren, sofern sie qualifiziert waren, ab und zu wie ein Streber gefühlt (in der Schule war ich eher das Gegenteil). Die unqualifizierten Kommentare meinerseits waren Größenteils dumme Witze, die gut aufgenommen wurden (danke für die Geduld an meine Kollegen und die Vortragenden).

Theorie

Jetzt gehe ich noch kurz auf die wichtigen Theorieteile der ersten Kurswoche ein:

  • Sportgeschichte war nur eine sehr kurze Einheit mit einem kleinen allgemeinen Teil und einem längeren speziellen Teil. Im speziellen Teil wurde die Geschichte von Parkour genauer behandelt. Ich werde nicht die ganze Geschichte von Parkour und Freerunning erzählen, sondern nur die üblichen Namen auflisten die mit der Entstehung der Sportart in Verbindung gebracht werden: Georges Herbert/Methode Naturelle, Raymond Belle, David Belle, Sebastien Foucan und Yamakasi. Um die ist es natürlich bei uns hauptsächlich gegangen.
  • Allgemeine Trainingslehre und allgemeine Bewegungslehre haben sich mit den konditionellen Fähigkeiten (Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Schnelligkeit), den koordinativen Fähigkeiten (Gleichgewichtsfähigkeit, Rythmisierungsfähigkeit, Differnzierungsfähigkeit, Reaktionsfähigkeit usw.)  und sensomotorischen Fähigkeiten bzw. Sensomotorik (wobei Sensomotorik und Koordination sehr eng beisammen liegen) auseinandergesetzt. Also genauer gesagt wie man diese Fähigkeiten trainieren kann.
  • Im Fach Betriebskunde haben wir alles Mögliche über Vereinsrecht, Betriebsrecht und Steuerrecht erfahren. Der Vortragende war selber Steuerberater und konnte uns auch für unsere persönlichen Situationen ein paar Fragen beantworten.
  • In Sportbiologie haben wir die Basics von Anatomie vorgetragen bekommen. Da hatten wir zwar nur eine Einheit, aber es kommt mit Sicherheit noch mehr in den nächsten Kursteilen.
  • Genauso in Sportpädagogik/Sportmethodik. Da haben wir das Thema ein bisschen angeschnitten, werden aber in den weitere Kursteilen sicher noch tiefer in die Materie eintauchen.

Alle weiteren Theoriefächer, die ich jetzt nicht explizit angeführt habe (Dopingprävention, Seminar für  Fachfragen (Sicherheit) und Deutsch (Kommunikation) für Nicht-Maturanten), waren Nebenfächer. Wobei ich zu Deutsch (Kommunikation) für Nicht-Maturanten nichts sagen kann, da nur Kursteilnehmer ohne Matura (ich habe eine Matura, sollte aber klar sein nachdem ich oben erwähnt habe, dass ich ein Jahr lang Sport studiert habe) an diesem Fach teilnehmen mussten (acht Jahre Schule haben doch etwas gebracht, eine Stunde weniger im Instruktorkurs sitzen).

Praxis

Nach dem Theorieteil kommt noch der Praxisteil dieser Kurswoche bzw der vier Tage, die ich anwesend war. Insgesamt hat es vier Einheiten gegeben.

Die erste Einheit war ein spezieller/parkourspezifischer Teil mit Martin auf den ich oben schon eingegangen bin. Die anderen drei Teile haben sich mit Sensomotorik beschäftigt. Also im Prinzip mit der Ausbildung der koordinativen Fähigkeiten. Dabei hatten wir in den unterschiedlichen Einheiten jeweils andere Schwerpunkte. Die Schwerpunkte waren Kopplungsfähigkeit (unterschiedliche Bewegungen miteinander zu verbinden), Gleichgewichtsfähigkeit und Reaktionsfähigkeit (beide selbsterklärend). Wobei natürlich immer mehr als nur eine koordinative Fähigkeit geübt wurde. Zum Abschluss hatten wir noch die Möglichkeit uns in Kleingruppen auf unterschiedlichen Stationen selber kreative Aufgaben zu überlegen die uns persönlich koordinativ bzw. sensomotorisch fordern.

Der letzte Tag der Ausbildung gestaltete sich wieder parkourspezifisch. Martin übernahm ganztags die Kursleitung. Im theoretischen Teil zu Organisation des Sports wurden aktuelle Thematiken wie Wettkämpfe, Fachverband (ÖPFV) in Zusammenhang mit der FIG Thematik und Ausbildungsstrukturen besprochen. Im Anschluss fand noch eine Einheit zur speziellen Pädagogik statt, welche sich mit Risiko und Risikowahrnehmung, Persönlichkeitsentwicklung, Wahrnehmungs-/Problemlösungskompetenz sowie verschiedenen Lern- und Lehrmethoden im Bereich PK/FR beschäftigte. Wiederum sehr kompetent und didaktisch wertvoll vorgetragen.

Der restliche Tag war praktisch und vom methodischem Übungsaufbau von Backflip, Palmflip, Gainer und Back Full im Turnsaal bestimmt, wobei für jede Bewegung verschiedene Aufbauten für ein erleichtertes Erlernen sowie spezifisches Sichern erklärt und ausprobiert wurden.

Vielen Dank, an alle die es geschafft haben bis hier her dran zu bleiben. Ich hoffe, dass dieser Artikel euch einen kleinen Einblick in den Ablauf der Parkour & Freerunning Instruktor Ausbildung gebracht hat. Nach dem zweiten Kursteil, Oktober 2019, werde ich diesen natürlich auch wieder zusammenfassen.

Vielen Dank auch an Fitch (bzw. Fitsch, wie er sich selber schreiben würde) für seine Zusammenfassung vom letzten Tag, an dem ich ja, wie oben schon gefühlt 20 mal erwähnt, selber nicht teilnehmen konnte.

Liebe Grüße,

Fabian