Der folgende Blogbeitrag ist eine Neuauflage aus meiner Erfahrung in London, wo ich ein 6-monatiges Praktikum für Parkour Generations absolvierte. Die Erfahrung hat mich geprägt und auch meine Herangehensweise an Parkour verändert. Diese 5-teilige Serie von Blog-Posts enthält Informationen über meinen Alltag mit PKGen, wie ich in 4 Monaten fast 8 kg abgenommen habe, von 0 Muscleups auf 4 aufeinanderfolgende gekommen bin, wie ich meinen ersten Ringmuscleup aufgebaut habe, wie ich an der ersten Night Mission teilgenommen habe (die ich danach nach Österreich gebracht habe), wie ich ADAPT qualifiziert wurde (um auch ADAPT später nach Österreich zu bringen), wie ich Stunden und Stunden damit verbracht habe, den Chainstore (der mein Büro wurde) mit dem Team zum Leben zu erwecken und viele andere großartige Erfahrungen. Für die englische Version dieses Beitrags – HIER klicken.

 

Was die Arbeit bei PKGen betrifft kann ich im Moment nicht so detailliert berichten wie ich gern würde, da ich bei ein paar der Projekten erst bis auf die Veröffentlichung der Neuigkeiten über die offiziellen PKGen Kanäle warten muss (Edit 2019: der Chainstore wird gerade fertiggestellt z.b:).

 

Jedenfalls, eine der Aufgaben brachte etwas meines im Studium erworbenen Know-Hows mit ins Spiel. Gemeinsam mit Naomi durfte ich einen Feedbackfragebogen für die Parkour Generations Class-Besucher designen, online stellen und auswerten. Die Ergebnisse sollen dazu genutzt werden Parkourneulingen die Angst vor Parkour als Sportart zu nehmen und so mehr Leute in die Classes anzuziehen.

 

Ein anderes Projekt dreht sich um PKGens Performance Bereich. Ohne zu viel ins Detail zu gehen kann ich sagen, dass dies wohl die schwerste Aufgabe sein wird, diese Aufgabe mir jedoch die Möglichkeit bietet ihr von der Researchphase bis hin zur Realisierung beizuwohnen und ich damit essentiell einen Beitrag zum Erfolg der Firma leisten kann (Edit 2019 – es ging darum eine Connection zwischen PKGen Performance Team und Sportagenturen zu schaffen und Athleten über diese Agenturen anbieten zu können – Funfact – Storror, Storm und 3Run wurden/werden auch jetzt noch über solche Agenturen zum Teil gemanaged: zb hat sich JLM Urban Sports Management auf Parkour AthletInnen spezialisiert u.a. auch Storm, Sports Promotions führen Chase Armitage im Portfolio, Storror stehen mit einem Fuß im Studio71 UK). Neben der Erweiterung der Services auf corporate Ebene (d.h. auf Firmen ausgerichtet) gibt es noch so einiges für mich zu tun und so hoffe ich in einem der nächsten Blogeinträge näher darauf eingehen zu können.

 

Eines sei jedoch gesagt mein Alltag ist alles andere als Alltag und so kann es schon ein Mal vorkommen, dass ich 9 Uhr morgens auf eine Lieferung von 350 Kilo schweren Traktorreifen warte, die irgendwie in ein Gebäude gehievt werden müssen.

 

Trainingsmäßig tut sich auch einiges. Dadurch, dass ich regelmäßigen Zugang zu einem schönen indoor Gerüst habe hatte ich die Chance viel mit Stangen zu trainieren. Erst letztens beispielsweise habe ich das erste Mal in meinem Leben einen Lache zu Präzisionssprung auf eine Stange auf kleine Höhe machen können. Ein Set-Up das man draußen so gut wie nie findet. Meine größte Angst war es die Distanz zur Stange nicht richtig einzuschätzen, da man aufgrund des Laches nahezu blind unterwegs ist. Also gab es 3 Möglichkeiten a) viel zu weit zu schwingen, fersenmäßig zu landen und abzurutschen b) zu kurz zu landen und die Schienbeine und Magengegend mit der Stange vertraut zu machen oder c) eine brauchbare Landung. A und B eher schlechte Optionen. C auf Anhieb eher unwahrscheinlich, vor allem der harte Untergrund erschwerte es mir einfach darauf los zu schwingen. Wir hatten zwar blaue Crashpads, aber ich wollte darauf verzichten davon Gebrauch zu machen. Ganz ohne ging es jedoch auch nicht und so legte ich mir ein Crashpad für den Fall zurecht über das Ziel hinauszuschießen. Nach zwei Versuchen hatte ich den Dreh raus. Hüfte nach vorbringen, Oberkörper nach vorne bringen, Landeebene spotten und Landen. Weg mit den Crashpads und die Landung sticken. Mein erster Lache zu Präzisionssprung auf Stange war geboren. 2 Tage später kam ich wieder zum Gerüst und es schlich sich erneut eine Hemmung ein den Lache zu springen. Grund genug eine Stunde an ein und denselben Lache zu arbeiten bis er fast schon ohne nachzudenken möglich war.

 

Neben diesem sehr technischen Problem arbeite ich jeden Tag an meinem Full Squat. Wer mich kennt wird wissen, dass ich nicht dazu im Stande bin eine ganze Kniebeuge zu machen ohne meine Ferse vom Boden zu nehmen. Dehnübungen vor dem Schlafengehen sollen dem ganzen entgegen wirken, wobei ich mittlerweile ein kleines Arsenal an Übungen angesammelt habe um mir bei diesem Problem sowie meinem Rückenproblem zu helfen. (Update 2019: Rückenschmerzen sind im Griff, Full Squat noch nicht)

 

Ein gutes Trainingserlebnis war übrigens der Parkour Generations Team Trainingstag. Es war ein Tag an dem viele der PKGen Team Leute zusammenkamen um miteinander zu trainieren. Forrest leitete ein Aufwärmen, das aus einem Zyklus von 12 Übungen bestand der 2 Mal wiederholt wurde und eigentlich aus dem Leistungssprinttraining stammte. Koordinatorisch ziemlich fordernd und auf jeden Fall interessant. Das „Aufwärmen“ hat mehr als eine Stunde gedauert und war eine Erfahrung für sich. Danach freies Training, wobei ich irgendwann die Chance nutzte mich mit Blane bezüglich des Full-Squat Problems auszutauschen.

 

Zum Abschluss noch die ein oder andere Anekdote. Vor kurzem war ich mit Flynn in Vauxhall trainieren. Seit 2009 war ich nicht mehr dort und damals waren wir gerade einmal ein paar Minuten am Spot bevor wir „ausgeraubt“ wurden. Seit dem war es also das erste Mal Vauxhall für mich. Training dort war sehr gut, gibt viele Challenges. Beispielsweise ein Präzi von einer Hohen Mauer auf einen Ast eines Baumes in ca. 4-5 Meter Höhe. Nach Vauxhall sind wir Richtung Waterloo um neben der Themse an einem ruhigen Spot zu trainieren. Flynn hatte mir den Weg auf 2 Vordächer gezeigt von denen aus ich verschiedene (für mich) anspruchsvolle Stangenpräzis und Plyos springen konnte. Wie schwierig ein simpler Plyo zu Präzisionssprung doch wird, wenn es dahinter ein paar Meter runter geht. Anyway. Die wirkliche Challenge stellte ein 180 Catleap dar (Armsprungposition, nach oben ziehen, von der Wand wegstoßen, 180° drehen und auf einem Gitter landen). Nach der ersten Wiederholung mit hässlicher Landung nahm ich mir vor ihn noch ein paar Mal schön ausgeführt zu springen. Der zweite Versuch ging jedoch in die Hose und so rutschte ich irgendwie blöd ab, fiel 1 Meter runter, stütze mich mit der Hand ab, wobei diese auch wegrutschte. Warum die Hand weggerutscht ist? Weil ich voll in einen Haufen Hundeschei*e gefallen bin. Glücklicherweise nichts auf der Kleidung und glücklicherweise eine Tankstelle zum waschen in der Nähe. Danach hatte ich zwar etwas Angst es noch einmal zu versuchen, Flynn gab mir jedoch mit ein paar Worten die notwendige Courage und nach kurzer Pause gelang der 3. Versuch ziemlich einfach. Danach ging es zu den Imax Spots wobei wir zufälligerweise Kie Willis über den Weg gelaufen sind (This is London!).

 

Was ich in London bemerkt habe und was eine Eigenart der Londoner Traceure zu sein scheint ist die. „Es gibt kein Versuchen, mach es!“ Mentalität. Bei mehreren Personen habe ich eine Einstellung bemerkt bei der das herantasten an schwierigere Sprünge vermieden wird, stattdesssen geben sie gleich 100% und sie sind damit sehr erfolgreich. Ich vermute es liegt an der simplen Tatsache, dass an vielen der Londoner Spots ein Versuchen nicht möglich ist. Imax beispielsweise. Auf den Videos sieht Imax (die blauen Mauern) immer sehr idyllisch aus. Ein kleiner Spot in London wo sich die Leute regelmäßig zu Höchstleistungen pushen und der von der Sicherheit die über die Videos vermittelt wird schon an eine Atmosphäre grenzt die einem Hallentraining gleichkommt. Für mich ist Imax jedoch einer der respekteinflößendsden Spots überhaupt. Der kleinste Präzisionssprung dort liegt gerade einmal knapp unter meinem Maximum. Generell spielt sich dort fast alles auf Höhe ab und wer Kie´s Video aus 2013 kennt, weiß was dort möglich ist. Die Sachen die er am Imax macht sind surreal, wenn man davor steht. Oder der Stride von Phil Doyle mit Livewire damals. Ziemlich absurdes Zeug aber ja das sind die argen Sachen. Trotzdem… mit dem Spot kann ich persönlich nicht viel anfangen, ein Grund öfter dort zu trainieren? (Update 2019: hab ich dann aber nicht 🙂 )

 

So viel zu den letzten Wochen. Über meine Arbeitserfahrungen kann ich erst in naher Zukunft etwas detaillierter schreiben. Am 12 Jänner ist übrigens Winterval. Ein auf 100 Teilnehmer limitiertes ganztätgiges Seminar mit dem ganzen Parkourgenerations Team und Johann Vigroux als sepcial guest. Im nächsten Blogeintrag werde ich dem Seminar sicher einige Zeilen widmen.