Der folgende Blogbeitrag ist eine Neuauflage aus meiner Erfahrung in London, wo ich ein 6-monatiges Praktikum für Parkour Generations absolvierte. Die Erfahrung hat mich geprägt und auch meine Herangehensweise an Parkour verändert. Diese 5-teilige Serie von Blog-Posts enthält Informationen über meinen Alltag mit PKGen, wie ich in 4 Monaten fast 8 kg abgenommen habe, von 0 Muscleups auf 4 aufeinanderfolgende gekommen bin, wie ich meinen ersten Ringmuscleup aufgebaut habe, wie ich an der ersten Night Mission teilgenommen habe (die ich danach nach Österreich gebracht habe), wie ich ADAPT qualifiziert wurde (um auch ADAPT später nach Österreich zu bringen), wie ich Stunden und Stunden damit verbracht habe, den Chainstore (der mein Büro wurde) mit dem Team zum Leben zu erwecken und viele andere großartige Erfahrungen. Für die englische Version dieses Beitrags – HIER klicken.

Der folgende Blogeintrag ist mehr eine Art Erfahrungsbericht über meine Eindrücke und Impressionen während meiner Zeit in London. London? Yes! Geplant ist, dass ich bis Ende Mai 2014 in London verbringe, um ein gefördertes jedoch unbezahltes Praktikum zu absolvieren. Das Praktikum wird von einem EU weiten Programm (Leonardo Da Vinci) unterstützt und ist vergleichbar mit Erasmus, bloß für Personen die bereits ein Studium absolviert haben und nicht mehr inskribiert sind. Mit ein bisschen Glück habe ich bei Parkour Generations die Chance bekommen ein solches Praktikum zu absolvieren. Damit durfte ich eine Gelegenheit wahrnehmen Parkour und meine im Studium erworbenen Fähigkeiten zu vereinen, ein in meinen Augen großes Privileg dem ich hoffe gerecht zu werden. Als Bonus darf ich alle von Parkour Generations angebotenen Veranstaltungen sowie Classes gratis besuchen und habe somit auch eine Möglichkeit mich parkourtechnisch weiterzuentwickeln. Die folgenden Blogeinträge während meines 6 monatigen Aufenthalts werden sich also um 2 Themenkreise bewegen. 1. das Leben in England und die Arbeit für Parkour Generations und 2. meine Trainingserfahrungen in dieser Zeit.

 

Ich bin nun seit ca. 3 Wochen in England. Genauer gesagt Kingston upon Thames. Eine kurze Zugfahrt ins Zentrum von London. Nach einer schwierigen Phase der Wohnungssuche und des Eingewöhnens durfte ich bei meinem ersten Meeting Agota kennenlernen, die mir als eine Art Supervisorin zur Seite steht und mich in einige der Aufgaben eingewiesen hat, die mir Lauf der Zeit übertragen werden. Die Spannweite reicht von simpleren administrativen Tätigkeiten bis hin zu sehr eigenverantwortlichen Marketingtätigkeiten und erweist sich als sehr interessant. Grundsätzlich wird mir im Praktikum große Freiheit gelassen. Ich werde weder dazu angetrieben irgendwelche Deadlines einzuhalten noch habe ich das Gefühl es würde mir jemand nonstop auf die Finger schauen. Ein Umstand der mich dazu veranlasst eigenverantwortlich umso mehr zu leisten, um der Chance die mir geboten wurde gerecht zu werden. Viel kann ich im Moment zu meiner Arbeit noch nicht sagen, da alles erst sehr langsam ins Rollen kommt. Ich fühle mich auf jeden Fall gut integriert und hatte bei einem der regelmäßigen Teammeetings die Chance einen Großteil des Parkour Generation Teams kennenzulernen.

 

Trainingsmäßig gibt es bereits einiges zu berichten. Meine erste Class (in Canada Water, genau dort wo der Decathlon ist) wurde von James Gore geleitet und brachte mich dezent an meine physischen Grenzen. Kreislaufkollaps, Übelkeit und beinahe Ohnmacht haben mir eindrucksvoll bewiesen: Alex…du hast noch viel zu lernen (Nachtrag 2019 – und musst vor allem aufhören zu rauchen – was ich nach dieser desaströsen Erfahrung 2013 getan habe und seitdem nie weider. Die wahrscheinlich größte Errungenschaft meines Aufenthaltes in London…).

Aber erstmal der Reihe nach. Nach einer längeren Periode ohne Training (ca. 3 Wochen, aufgrund der Vorbereitungen und der Wohnungssuche) freute ich mich bereits meine erste PkGen Class (seit damals 2009) zu besuchen. Das Training begann joggend zum ersten Spot, einer langen Reihe von Parkbänken entlang einer mehr als Schulter hohen Mauer. Ohne Pause nach dem Joggen gingen wir in die erste Übung, die darin bestand jede einzelne der ca. 10 -15 Parkbänke zu überwinden, um danach die Mauer zu überwinden, um danach die Mauer wieder nach unten zu überwinden und das Ganze an der nächsten Parkbank zu wiederholen. Also ein Run aus 10 – 15 Sets von Bewegungen. Oh 2 Dinge hatte ich vergessen. 1. es hatte geregnet und 2. wir trugen während des ganzen Trainings unsere Rucksäcke. Mein Rucksack zu diesem Zeitpunkt war gefüllt mit ca. 5 Kilo Parkour Generations Flyer, die ich an dem Tag erhalten hatte und1,5 Liter Wasser. Dazu eine Regenjacke.

6 Kilo Gepäck haut schon ziemlich rein aber es war noch auszuhalten, das Training hatte doch gerade erst begonnen. Nach der Übung ging es ohne Pause joggend weiter zum 2. Spot, einer metallernen roten Brücke ähnlich einer 1:5 Version der Eisenbahnbrücke in Linz. Das erste Mal Pause und Einweisung in die nächste Übung. Wir wurden an eine Kletterroute herangeführt die uns in ca. 6 Meter Höhe bewegte. Simple Griffe und genug Halt trotz Regen haben mich dazu bewegt die Übung zu machen, denn normalerweise versuche ich es zu vermeiden mich auf Höhe zu bewegen. Das Adrenalin war spürbar und ich nahm mir vor mich deshalb doppelt so intensiv zu konzentrieren. En Fehler in dieser Höhe wäre unverzeihlich. Nach mehrmaligem Wiederholen eröffnete uns James die 2. Route, die dieses Mal bis zum höchsten Punkt der Brücke in ca. 10-15 Metern Höhe führte. Mit der Absicht es nicht zu übertreiben, aufgrund des Rucksackes und der Müdigkeit, des Regens und der Finsternis zog ich es vor Route 1 zu Wiederholen. Im Anschluss dazu ging das Training in eine Kraftübung über, die mich nach einigen Wiederholungen meine Arme gut spüren ließ. Joggend ging es weiter zum 3. Spot. Eine langgezogene Stiege, ca. 100 Stufen. Ziel waren 3 Wiederholungen der Übung. Die Übung bestand darin sich einen gleichgroßen/schweren Partner zu suchen und ihn mit Hilfe 3 verschiedener Grifftechniken nach oben zu tragen. Nach 2 Wiederholungen, also 2-mal Tragen musste ich aufgeben. Mein Körper gab mir eindeutig zu verstehen, dass es nicht mehr geht und so wankte ich enttäuscht und auf wabbligen Beinen mit einigen „Fast-Kotz-Pausen“ Richtung U-Bahn um den nächsten Zug zu erwischen. Die erste Besserung spürte ich erst im Zug als ich regungslos und kraftlos sitzen konnte.

 

2 Tage später und geschockt von meiner Schwäche traf ich mich mit ein paar PKGen Leuten zum freien Training in Archway. Gemütliche Atmosphäre, viele neue Eindrücke und die Bestätigung, dass jeder im PKGen Performance Team seinen Platz mehr als verdient. Außerdem kommen mir die Leute 1000mal besser vor als in den Videos, die auf der Seite zu finden sind. Das freie Training unterscheidet sich nicht so sehr von dem was ich gewohnt bin. Ein reger Gedankenaustausch und das gemeinsame erarbeiten von Lines und Kombinationen sowie die Möglichkeit erfahrene Leute um Rat zu fragen.

 

Die nächsten 2 Outdoor Classes fanden mit Alex Pownall als Coach statt. Ein 22 jähriges Energiebündel mit Physiotherapiehintergrund und massiver Coachingerfahrung durch PKGen. Alex legt den Fokus seiner Classes weniger auf Ausdauer und pure Kraft, obwohl das Aufwärmen zeitweise schon sehr anstrengend war. Quadrupple Movement gehört wohl in allen Classes zum Standard. Das besondere an Alex´s Classes ist die Betonung der Beidseitigkeit von Bewegungen. Egal ob Rolle oder Pop-Ups an Wänden mit sofortiger 180 Grad Drehung. Beidseitigkeit ist eines der Schlüsselelemente zu Bewegung. Außerdem hat Alex eine Vorliebe für Bewegungen die sich nicht x-beliebig an verschiedenen Stellen wiederholen lassen (wie z.B. Katzensprung, Präzi, etc…). Das bedeutet, dass wir im Training unter Anleitung von Alex zu verschiedenen Hindernissen neuartige Bewegungen entwickelt haben um uns effizienter zu bewegen. Also raus aus der comfort-zone und rein in das Experimentieren mit neuartigen Bewegungen. In der 2. Class mit Alex stellte er uns außerdem 4 Challenges zur Bewältigung, wobei diese für mich persönlich mental sehr schwierig waren. Einerseits z.B. ein Präzisionssprung von einem nassen, breiten Holzbalken zum anderen mit einem 5 Meter Drop in eiskaltes Wasser am Ende. Oder einem Turn Vault (beidseitig) auf extrem rutschigen Stein mit einem Drop ins kalte Wasser am anderen Ende. Manche der Challenges wie der Turn Vault oder eine Line über eine nasse Rail waren einfacher, der Präzi jedoch zu fordernd für mich.

Des Weiteren hat mir Alex einige Übungen für meinen Bandscheibenvorfall geplagten Rücken empfohlen. Und so war die Anschaffung eines Hockeyballs zur Auflockerung des Gewebes an der Hüfte einer der nächsten Schritte für mich (siehe Foto). Über den Erfolg des Stretchings und der Tortur (ja die „Massage“ mit dem Hockeyball tut sehr weh) berichte ich ein anderes Mal.

 

Ein anderes Mal traf ich mich mit ein paar Jungs von den Saiyans und einem Besucher aus Belgien zum Training in Abbey Road (siehe Parkour Generations Visions Video mit Kazuma, Stephane Vigroux und Yann Hnautra). Eine Traumgegend und viele neue Eindrücke ließen die Zeit schnell verfliegen. Das Training war super und einige Challenges brachten mich wieder an mentale Grenzen. Vor allem ein Lache zu Präzisionssprung mit abfallenden Stiegen zum Rücken hin hatte es mir schwer gemacht. Sich mit voller Energie Schwingen zu trauen, wenn man weiß, dass das Loslassen der Stange nach hinten fürchterlich enden kann war nicht einfach. Nach mehreren Versuchen jedoch hatte ich den Lache im Griff und konnte mit einem guten Gefühl weitertrainieren (vllt. werde ich ihn filmen – 2019: nope sry). Die Saiyans waren ziemlich nett und der ein oder andere konnte sich noch an Bernards und meinen Besuch 2009 erinnern.

 

So viel zu den Trainingserfahrungen. Es tut sich viel und generell kann ich sagen. Es ist IMMER nass, auch wenn es nicht regnet… Oh und im Dezember werde ich höchstwahrscheinlich A.D.A.P.T. Lvl 1 zertifiziert.